Die Hierarchie des Ordens

 

An der Spitze der Hierarchie stand der Großmeister.

Seine engsten Berater waren die Vorsteher der sieben (seit ca. 1206) bzw. acht (seit 1462) Ordensnationen oder Zungen, die Konventual-Baillis oder Piliers.

Die Zungen waren: Provence, Auvergne, France, Aragon, Italien, England und Deutschland. Später wurde Kastilien von Aragon abgetrennt und zur eigenständigen achten Zunge.

Die einzelnen Posten der Ordensregierung mit ihren Ressorts waren fest an die Zungen gebunden und wurden von den jeweiligen Piliers besetzt. Die Provence stellte den Großkommendator (Finanzen und Ordensschatz), France den Großhospitalier, Auvergne den Ordensmarschall (Streitmacht und Kriegsführung zu Lande), Aragon den Drapier oder Gran Conservatore (Beschaffung von Material und Ausrüstung), Italien den Großadmiral (dieses Amt wurde erst 1300 im Exil auf Zypern geschaffen), England den Turcopolier (Führung der Hilfstruppen), Deutschland den Großbailli (Festungsbau. und -instandhaltung) und Kastilien den Großkanzler (eine Art Außenminister)

 

Die Piliers lebten in der Ordenszentrale, sie hatten die oberste Disziplinargewalt über alle Mitglieder ihrer Zungen und waren auch für die Verwaltung der Ordensgüter in ihrem Gebiet verantwortlich. Ihnen direkt unterstellt waren die Großpriore ihrer jeweiligen Zunge.

Die Zungen waren in ein (Auvergne) bis sieben (Italien) Großpriorate unterteilt. Die Großpriore waren untereinander in der Regel gleichrangig; allerdings mit Ausnahme der deutschen Zunge. Dort war lediglich der Großprior des Großpriorates Deutschland seinem Konventual-Bailli direkt untrstellt, die Großpriore von Böhmen-Österreich, Dacien (=Skandinavien), Ungarn und zeitweilig Polen unterstanden dem deutschen Großprior.

Die Großpriorate waren wiederum unterteilt in Balleyen, die von Baillis (erste Erwähnung dieses Amtes 1152) oder "Balleyern" geleitet wurden, in deren Verantwortung die ihnen nach regionalen Gesichtspunkten unterstellten Kommenden lagen.

Bei den Kommenden (synonym: Komtureien) kann man die von einem Kommendator/ Komtur geleiteten Ritterkommenden von den Priesterkommenden, denen ein Prior vorstand, unterscheiden. Zu einer Kommende konnten noch membra (Singular: membrum) gehören.

Noch mal zurück zu den oberen Ordenshierarchien... Es gab als engstes formelles Gremium den kleinen Ordensrat (consiglio ordinario).

Er bestand aus dem Großmeister, den acht Piliers, dem Prior della Chiesa (oberster Ordensgeistlicher), dem Schatzmeister und dem Seneschall. Als erweitertes Gremium und Berufungsinstanz fungierte der große Ordensrat (consiglio compito), dem zusätzlich je zwei Ritter aus jeder Zunge angehörten. Die letzte Berufungsinstanz, der Ordensgerichtshof (Sguardio), wurde nur bei Kriminalfällen einberufen und bestand aus neun Mitgliedern, denen bei Bedarf noch bis zu drei Ritter aus jeder Zunge zur Seite gestellt werden konnten.

 

Das Generalkapitel war (und ist) die Legislative des Ordens. Es bestand aus je zwei gewählten Repräsentanten jeder Zunge und besaß unumschränkte Gewalt. So konnte das Generalkapitel nicht nur Statuten ändern, Responsorien festsetzen oder neue Gesetze entwerfen, sondern auch die höchsten Würdenträger des Ordens bis hin zum Großmeister zur Rechenschaft ziehen. Analog zu diesem Gremium gab es in den Zungen und Großprioraten die Provinzkapitel.

Abschließend noch ein kurzer Exkurs zu den Ordensgeistlichen. Sie unterstanden der Jurisdiktion des Priors der Hauptkirche des Ordens. Die Konvente, in denen ein Teil der Ordensgeistlichen lebte, bezeichnet man als Priesterkommenden. Konvente, in denen nur Ritter oder Ritter und Priester zusammenlebten, werden meist als Ritterkommenden geführt. In den Kapiteln oder bei Wahlen besaßen Ritterbrüder und Priesterbrüder gleiche Rechte.

 

Quelle:

vgl. "Rote Reihe" der Johanniter Band 16 von Dr. Walter G. Rödel

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