"Bruder Ingwio von   Zunderen"

 

Ritterbruder/Komtur

 

 

Das Rittergut Melschede

Man schrieb 1213 im Jahre des Herren, als ich, bekannt unter dem Namen Ingwio von Zunderen nahe dem Städtchen Zunderen im Herzogtum Westfalen geboren wurde. Wir lebten auf einem kleinem Rittergut, unter dem herrschaftlichen Volke auch bekannt unter dem Namen Gut Melschede, dass nur unweit einer Handelsstraße gen Arnsberg liegt. Wir, dass waren mein Vater, der Freiherr Manfried von Zunderen, meine Mutter Magret Doris sowie meine zwei Geschwister Hannah und Petrus. Gut Melschede ist ein besinnlicher und ruhiger Ort. Es liegt in einem Tal umgeben von gewaltigen Eichenwäldern und besteht aus einem Haupthaus in dem wir wohnten und lebten, mehreren Nebengebäuden, in denen die Bediensteten untergebracht waren und einer riesigen, mindestens zwei Schritt hohen Mauer, die die gesamten Gebäude miteinander Verbindet und wie ein Schutzwall behütet.
Schon zu sehr früher Zeit wurde ich von meinem Vater zum Christen- und zum Rittertum erzogen, so lehrte er mich über das Waffenhandwerk und brachte mir das Lesen und Schreiben bei. Mit 14 Jahren schließlich wurde ich feierlich vor dem Altar vom Priester zum Knappen erhoben und mit Vollendung des 21 Lebensjahres erhielt ich von Gotfried den II auf Burg Hachen den ersehnten Ritterschlag.
Nur wenige Monate später begleitete ich meinen Vater an sein Sterbebett und es folgten Tage voller Leid und Trauer.

Aufruf zum Kreuzzug

Die Zeit verging und viele male sah ich aus der Kemenate heraus wie im Herbst die Blätter von den Bäumen fielen, spürte wie der kalte Winter die Landschaft mit Schnee zudeckte, hörte die Vögel den Frühling herbeizwitschern und roch im Sommer wie die grünen Wiesen dufteten.
Eines Tages, es war ein lauer Frühlingsabend und ich war gerade dabei mit den Bediensteten die Gänse vom Hof in die Scheune zu scheuchen, erreichte uns eine Nachricht, die sich in Windeseile im ganzen Lande verbreitete. Ein französischer König, sein Name war Ludwig IX. von Frankreich, plane einen Kreuzzug ins Heilige Land mit dem Ziel Jerusalem. Diese Nachricht sollte mein Leben grundlegend verändern, denn wer träumte nicht davon, nach Jerusalem zur Grabeskirche zu ziehen und sich von seinen Sünden zu befreien, neue Besitztümer zu erlangen und die ungläubigen zu vertreiben. Nur wenige Tage später zogen Ritter des Hospitaliter Ordens durch das Land und durchquerten dabei meine Heimat Zunderen. Sie suchten freiwillige die sich den Orden anschließen würden, um gemeinsam für den Pabst in das Heilige Land zu ziehen. So ließ ich mich bekehren und schon einige Tage später verabschiedete ich mich unter Tränen von meiner Familie und dem Rittergut Melschede. Das Pferd mit dem notwendigsten bepackt, verließen viele rekrutierte Ritter, Soldaten und Bauern das Herzogtum Westfalen um zur Hospitaliter-Kommende St. Johannes Baptist nach Herford zu reisen. Zu meiner Freude stellte ich fest, dass drei gute Freunde sich ebenfalls den Hospitalitern angeschlossen hatten und diesen Umständen ist es zu verdanken, das mir so der Weggang aus meiner Heimatstadt leichter fiel.

Aufbruch ins Ungewisse

In der Ordensgemeinschaft zu Herford eingetroffen, wurde uns schnell bewusst was es heißt, einem Orden beizutreten. Neben dem Ablegen des Ordensgelübde, erhielten wir eine einheitliche Kleidung in schwarz, auf der über dem Herzen ein weißes Kreuz trachtete. Disziplin, Ordnung und Besinnung standen an der Tagesordnung, aber auch die Heilkunst wurde uns gelehrt.
Im Morgengrauen des 12 Juni 1248, es war Pfingstfreitag, war es soweit. Ca. 1000 bewaffnete Ritter, Sergeanten-Waffenbrüder, Priester, Frauen und Kinder mit Pferden und Fuhrwerk machten sich auf den Weg gen Osten. Das erste Ziel sollte Zypern sein. Dort wollte man sich mit dem Französischen Heer zusammenschließen, um von dort aus per Schiff Jerusalem zu erreichen. Die Route führte uns über Ungarn, weiter durch Konstantinopel in das Sultanat der Seldschuken. Immer mehr Pilger, Templer und Deutschordensritter schlossen sich unserm Tross an. Mittlerweile sind wir auf ein Herr von 5000 Mann gewachsen. Vor zwei Tagen erreichten wir eine Burg nahe der Stadt Ikonion. Der Besitzer der prächtigen Anlage verweigerte uns allerdings das betreten seines Landes und forderte von uns gar Wegzoll. Dieses frevelhafte Verhalten erzürnte uns und so beschlossen wir die Burg zu belagern, um sie in den Abendstunden einzunehmen.
Nun stehen wir uns mit hunderten Seldschuken gegenüber, 3500 bewaffnete Männer zählt unsere Seite. In der linken Hand halten wir das Schild, in der rechten unser Schwert. Die Kettenhemden drücken unsern Körper Richtung Boden, der Schweiß läuft wie ein Wasserfall an uns herab. Angst zeichnet sich in einigen Gesichtern ab und ich stelle mir viele Fragen. Ist hier unser Weg schon zu Ende? Ist es wirklich Gottes Wille jemanden zu töten? Fragen die mir in dieser Situation wohl niemand beantworten kann.

Mors certa, hora incerta (Der Tod ist gewiss, ungewiss (ist) seine Stunde)

 

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