"Bruder Augustus von Tremonia"

 

Sergeanten-Waffenbruder/ Marschall

 

 

Geboren bin ich am 6. Tage des 6. Monats. Bis zu meinem 4. Lebensjahr weilte ich in meinem Geburtsort; dieser war zu früherer Zeit eher unter dem Namen „Throtmanni“ - altsächsisch für „Schlundberg“ zu finden.
Meine Eltern meinten es gut mit mir; um den rauen düsteren Schliff des „Schlundberges“ zu umgehen zogen sie in ein kleines idyllisches Dörfchen, unweit meiner Heimat.
So wuchs ich in der Tat sehr friedlich auf; lernte, trotz der Eigenarten des Volkes in meiner neuen Heimat Fuß zu fassen, wenn auch nur langsam.

Diebisches Bergvolk, welches nur für sein eigen Ansehen, die Nase hoch, voller Eitelkeit, stets urteilend, über allen anderen stehend und vieles nur Schein…
Johannes 8; 7 Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.
So warte mich doch Klugheit.
Matthäus 7; 1-2 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.
Und so lernte ich unter all jenen, die Menschen kennen, die nicht viel besaßen, doch das Wenige was sie hatten teilten.
Wie Sie an ihre Nahrung kamen, war mit Sicherheit nicht immer Rechtens. Doch verstand ich, warum sie es taten. Und so tat ich es ihnen gleich, schließlich war ich einer von ihnen. Der Herr gab nicht all diese Vielfalt, um den Adel zu beschenken. Doch die Gier nach Macht weiß seiner Mittel.
Lukas 23; 34 … Vater, vergib ihnen denn sie wissen nicht was sie tun

So verging meine „behütete“ Kindheit.

Als ich mein jugendliches Dasein fristete, erlernte ich die Kunst der Metallbearbeitung.
Ich hatte sehr viel Geschick darin und so kam es, dass mein Brotherr, eher eine ungewohnte Umgebung meines Handwerkes, der Johanniterorden wurde.
Es war vielseitig, neben Metall wurde mir auch Holz sehr vertraut. So waren es nicht nur Kruzifixe und Rosenkränze die durch meine Hände glitten.
Ich erlaubte mir die Genesung der Kranken ein wenig zu beschleunigen, in dem ich Sie teilhaben lies an diesem Geschick. War es doch eine willkommene Abwechslung gegenüber dem „einfach nur daliegen“ und „hoffen“, sehr zum Leidwesen des einen oder andern Paters.
Und wenn jene wüssten das so manche Genesung auf das weibliche Wohl zurück zu führen war, so würden Bruder Daniel und ich womöglich bis an unser Lebensende das „Vater unser“ beten.

Eines Tages kam mein Vater zu mir und zog mich beiseite. Die Kunde die er mir offenbarte lies mich für ein Augenblick bodenlos erscheinen.
Doch ergab jetzt vieles einen Sinn worüber ich nie ernsthaft nachdachte, da ich es für eine Art Träumerei hielt. Fiktion.
Ich erinnerte mich an meine Kindheit in Tremonia, Sah um mich herum hohe Mauern, gut bekleidete Mägde, prunkvolle Räume.
All dies war Wirklichkeit gewesen!
Aus einer Enttäuschung heraus, veränderte mein Vater mein Leben, gab mir, was viele nicht verstehen würden, ein Leben in einer Scheinarmut, um mich vor dem Adel zu schützen.
Er lies mich dort aufwachsen, wo man lernt Wort zu halten.
Er lies mich dort aufwachsen, wo man füreinander einsteht.
Er lies mich dort aufwachsen, wo man für seine Ernte hart Arbeiten muss.
Er lies mich dort aufwachsen, wo man gemeinsam ums Überleben Kämpft.
Er lies mich dort aufwachsen, um zu verstehen was es überhaupt heißt.

In meinen Adern fliest mehr adeliges Blut, als ich es mir je hätte erträumen können. Doch man sollte nie vergessen, nicht die Herkunft sondern Taten adeln.

Ich bin Augustus von Tremonia und dies ist meine Geschichte.

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